Die 3-Wochen-Frist
Nach einem Wirbelbruch ist die Zeit der entscheidende Faktor: Je früher der Bruch behandelt wird, desto größer sind die Chancen, irreparable Folgen zu verhindern. Ist der eingefallene Wirbel erst einmal in der falschen Stellung zusammengewachsen, kann er nur noch mit erheblichen Risiken behandelt werden.
Bei frischen Wirbelkörperfrakturen – das haben Studien gezeigt – können operative Methoden wie die Kyphoplastie und Vertebroplastie dort einen schmerzlindernden Effekt erzielen, wo konservative Behandlungsmethoden bislang keine Wirkung hatten.
Andere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Schmerzlinderung bei einer Scheinoperation ähnlich war wie bei einer Vertebroplastie. Vergleichbare Studien zur Kyphoplastie liegen derzeit noch nicht vor. Bisher gibt es jedoch keine Langzeiterfahrungen zu Nutzen und Risiken der Behandlungsmethode. Die klinische Relevanz möglicher Veränderungen in der Biomechanik, d.h. der Bewegungsfähigkeit des Körpers, ist derzeit nicht belegt und müsste erst in Langzeitstudien untersucht werden. Gleiches gilt für erhöhte Folgefrakturraten nach einer Kypho- bzw. Vertebroplastie. Auch hier ist die Datenlage inkonsistent.
Fazit: Bei einer schmerzhaften Wirbelsäulenfraktur sollte eine Kypho- bzw. Vertebroplastie nur angewendet werden nach:
o “dokumentiertem konservativen Therapieversuch über 3 Wochen
o Berücksichtigung degenerativer Wirbelsäulenveränderungen als Beschwerdeursache
o dokumentierter interdisziplinärer gutachterlicher Einzelfalldiskussion.”Quelle: DVO Leitlinie 2009
Zum Ausschluss oder zur Diagnose von erlittenen Wirbelfrakturen sollte innerhalb der ersten drei Wochen eine Röntgenuntersuchung von Brust- und Lendenwirbelsäule veranlasst werden. Nur so lässt sich ein Wirbelbruch sicher diagnostizieren. Sie sollten im besten Fall innerhalb der ersten drei Wochen nach einem frischen Bruch alle Therapie-Optionen kennen, um diese mit Ihrem Arzt abwägen zu können.



