Operative Verfahren
Um einen Wirbelbruch operativ zu behandeln, werden derzeit vor allem zwei Verfahren eingesetzt:
Ballon-Kyphoplastie: Kleiner Ballon für starke Wirbel
Hierbei werden zwei Kanülen in den Wirbel eingeführt. Durch diese Kanülen schiebt der Chirurg zwei Ballons in den Wirbel und dehnt sie vorsichtig auf. Dadurch wird der Wirbel wieder aufgerichtet. Ist die richtige Position erreicht, entfernt der Arzt die Ballons und füllt den entstandenen Hohlraum mit flüssigem Knochenzement. Der ganze Eingriff dauert rund 30 Minuten und der Patient kann ein oder zwei Tage später die Klinik wieder verlassen. Bei der Ballon-Kyphoplastie kann der Knochen in einer guten Stellung verheilen, ein Zementaustritt ins umliegende Gewebe ist sehr selten. Etwa 95 Prozent der Patienten, so berichten Chirurgen, empfinden schon direkt nach der OP eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden.
Worin bestehen die Vorteile der Ballonkyphoplastie gegenüber der konservativen Therapie?
Prof. Dr. Leonard Bastian
Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum Leverkusen:
Der Patient ist in der Regel schneller schmerzfrei und mobiler nach der BKP. Die positiven Aspekte sind ausserdem: weniger Schmerzen, geringerer Bedarf an Schmerzmitteln und eine höhere Lebensqualität unter Alltagsbelastungen. Die Jahresdaten der FREE-Studie zeigen, dass die gleiche Lebensqualität für konservativ behandelte Patienten nicht erreicht wird. Dazu zählt Mobilität im Alltag, Anzahl der Tage mit Rückenschmerzen, eigenständiges Leben wie z.B. anziehen, einkaufen und natürlich Schmerzfreiheit.
Dr. Andreas Fleischmann
Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda
Patienten sind schnell wieder schmerzfrei und mobil nach der Operation. Zudem benötigen sie weniger Schmerzmedikamente.
Was ist der Vorteil der Ballonkyphoplastie gegenüber der Vertebroplastie?
Prof. Dr. Leonard Bastian
Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum Leverkusen:
Bei der Ballonkyphoplastie kommt es im Vergleich zu der Vertebroplastie zu weniger Komplikationen. Dies konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden.
Scheuen Patienten nicht eher die Operation?
Prof. Dr. Leonard Bastian
Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum Leverkusen:
Nein, ganz im Gegenteil. Die Patienten entscheiden sich meist nach wenigen Wochen zur OP, weil sie nicht bereit sind, monatelang Schmerzmittel zu nehmen oder auf lange Sicht Schmerzen zu ertragen. Patienten kommen oft schon mit der festen Vorstellung, dass sie „diesen Zement“ haben wollen.
Wie schnell sind die Operierten wieder auf den Beinen?
Dr. Jörg Franke
Leitender Oberarzt Orthopädische Universitätsklinik Magdeburg
Die meisten Patienten sind umgehend schmerzfrei und können nach ein oder zwei Tagen aus der Klinik entlassen werden
————————————————————————————————————————————————————-
Vertebroplastie
Unter Narkose wird eine große Hohlnadel in den betroffenen Wirbel eingeführt. Anschließend spritzt man Knochenzement in den Wirbelkörper ein, der nach wenigen Minuten aushärtet und damit den gebrochenen Wirbel stabilisiert. Aber zum Einen wird der zusammengebrochene Wirbel nicht wieder aufgerichtet, die Fehlstellung bleibt somit erhalten. Zum Anderen kommt es relativ häufig vor, dass Knochenzement in das umliegende Gewebe austritt und sogar in den Blutkreislauf gelangen kann.
—————————————————————————————————————————————————
weitere mögliche Verfahren:
Titan Stützkäfig
Der Stützkäfig ist ein Implantat aus Titan und Titanlegierung, geformt wie ein Käfig, der kontrolliert und Millimeter genau platziert werden kann, aufgespreizt wird und sich mit dem schwammartigen Knochen perfekt verbindet. Durch die Verzahnung von Knochen, Zement und dem Implantat ahmt die Stütze das schwammartige System aus Knochenbälkchen, die so genannte Spongiosa, nach.
Radiofrequenz-Kyphoplastie
Bei der sogenannten Radiofrequenz-Kyphoplastie geben Mediziner einen speziell entwickelten gummiartigen Knochenzement in den porösen Wirbel.
Hinweis: Beide Methoden sind noch nicht in den aktuellen DVO Leitlinien enthalten.




